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  • Die Zeiten sind danach, um wie Rumpelstilzchen wütend im Dreieck zu springen. Also springe ich – hier und zu ganz verschiedenen Themen. Mal sehen, ob es (mir) hilft.
  • Zuschriften – bitte nur als Ausnahme – an rumpelstilzchen@ist-ganz-allein.de, ansonsten und besser ein Kommentar auf der Blogseite!

Atomality findet, Rumpelstilzchen sei das dummste Märchen überhaupt und nennt dafür 7 Gründe: (http://atomality.wordpress.com/2009/12/29/das-dummste-marchen-rumpelstilzchen/)

  • Warum prahlt ein armer Müller mit so einer hahnebüchenen Geschichte vor dem König? Würde sie stimmen, wäre er doch unermesslich reich und müsste dem König gar nicht sein Leid klagen?
  • Und wie kann man so absolut blöde sein, der Geschichte von der goldspinnenden Tochter zu glauben und sich nicht die Frage zu stellen, weshalb der Müller immer noch ein armer Müller ist?
  • Wieso nimmt jemand, der aus Stroh Gold spinnen kann, einen Ring bzw. ein Halsband (von einer armen Müllerstochter) als Entlohnung und verlangt nicht gleich das Kind? Und wieso wohnt so jemand in einem ollen Einödhof und braut bzw. backt selbst?
  • Was für ein Schloß ist das, in dem es haufenweise große Säle gibt, die mit Stroh bis zur Decke angefüllt sind?
  • Welche Frau möchte einen Gemahl, der sie zuvor unter Todesdrohungen zum Handarbeiten gezwungen hat?
  • Warum wird der König nach der Hochzeit plötzlich so bescheiden und verlangt keine Spinnereien mehr?
  • Wie kann man so doof sein und seinen Namen lauthals singen, noch dazu mit “ach wie gut, dass keiner weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß”, wenn man doch weiß, dass man sozusagen eine Wette laufen hat, die sich ausschließlich um den Namen dreht?

Einiges stellt sich ganz anders dar, wenn man versucht, sich in die Zeit zu versetzen und sich die Region vorzustellen, in der die Geschichte spielt:

  • Getreide war generell sehr knapp und in der Gegend des Müllers wohl besonders, sonst wäre er kein armer Müller. Die Müller gehörten in der Regel stets zu den Reich(er)en unter der Landbevölkerung.Angesichts dieser Armut war es keine dumme Idee, dem König von der besonderen Fähigkeit seiner Tochter zu erzählen – Hauptsache, sie ist erst einmal verheiratet und damit versorgt.
  • Für den König war die Armut des Müllers durchaus glaubhaft, denn bei geringem Getreideanbau war das Stroh fast genau so wertvoll wie das Korn – und es gelangt nicht in den Verfügungsbereich des Müllers. Der hatte also keine Möglichkeit, daraus Gold spinnen zu lassen, selbst wenn seine Tochter es gekonnt hätte.
  • Wie wertvoll damals das Stroh war, ist auch daran erkennbar, dass es im Königsschloß gehortet wurde.Warum der König nach der Hochzeit „so bescheiden“ wurde? Ganz einfach, weil das über viele lange Jahre zusammengesammelte Stroh versponnen war und es so schnell keinen nennenswerten Nachschub gab!
  • Rumpelstilzchen selbst konnte nicht spinnen, also auch kein Stroh zu Gold – selbst wenn es/er Stroh gehabt hätte. Die Müllerstochter aber konnte es. Spinnen war damals überlebenswichtig und nicht irgendeine „Handarbeit“. Nebenbei bemerkt, das handwerkliche, manuelle Spinnen ist gar nicht so einfach!Rumpelstilzchen war also ein armer Schlucker auf seinem Einödhof und das Brauen und Backen für ihn etwas ganz Besonderes zur erwarteten Ankunft des Kindes, keinesfalls Alltag – deshalb singt er ja auch voller Freude davon. Völlig daneben erscheint mir die Frage, wieso Rumpelstilzchen selbst braut und backt…
  • Die Frage, „welche Frau möchte einen Gemahl, der sie zuvor unter Todesdrohungen zum Handarbeiten gezwungen hat“, fällt nun gänzlich aus der voremanzipatorischen Märchenwelt. Als wenn Mädchen damals die geringste Mitentscheidungschance bei der Wahl ihres Mannes gehabt hätten!
  • Rumpelstilzchen ist zwar ein armer Schlucker, aber herzensgut. Auf keinen Fall will er/es, dass die Müllerstochter ihr Leben verliert. So hilft er ihr, dass das versponnen Stroh zu Gold wird (für diesen Vorgang bietet Wikipedia sogar eine realistische Erklärung an: „Versponnenes Stroh wirkt wirklich, etwa auf Messgewändern, wie Gold“. Und: „Die kummervolle Arbeit der Golddrahtfertigung kam oft armen Jungfrauen zu“).Aber da er (sehr) arm ist, erbittet er für die Lebensrettung einen Lohn: Erst das Halsband, dann den Ring und schließlich das Erstgeborene – von dem er annehmen muss, dass es bei der Mutter nicht so gut augehoben sein dürfte. Würde sie es sonst so leicht hergeben wollen? Auf das Kind freut er sich ganz riesig – endlich nicht mehr allein, endlich jemanden, den man lieben, betreuen, auf dem Weg ins Leben begleiten kann! Bei so großer Freude kann man schon mal ganz unvernünftig laut singen, zumal der kleine Kerl sehr arglos ist und ihm Bespitzelung und Verrat überhaupt nicht in den Sinn kommt.Als er sich um das erwartete Lebensglück betrogen sieht, zerreißt es ihn vor Schmerz. Der eine oder andere von uns Heutigen kennt das vielleicht…
„Rumpelstilzchen ist zugleich Greis, Kind und Mittler der Großen Mutter, es versucht den Mangel an Beziehung zwischen Eros und Logos, Gut und Böse zu beheben“ (Wikipedia).
R.
 
Nachtrag:

R. ist mit dem fleißigen „Rumpelstizchen“ Adolf Stein weder verwandt noch verschwägert, auch nicht im Geiste /im Fleiß schon gar nicht). Dennoch ist der Adolf ein sehr interessanter Namensvetter.

Noch mehr zum Rumpelstilzchen:

Das Rumpelstilzchen ist einsam.

Wahrscheinlich fühlt sich jeder dann und wann wie Rumpelstilzchen: Isoliert, einsam, namenlos.

Jedes Rumpelstilzchen braucht andere Menschen…

Noch ein Votum für Rumpelstilzchen:

Wir alle kennen die Interpretationen des Märchens, die durchweg alle das Männlein Rumpelstilzchen als einen bösen Geist erscheinen lassen, doch lesen wir das Märchen genau nach, ist es vor allem eins: Ein betrogener Geist… Nun, Rumpelstilzchen fordert etwas ein, für seine Hilfe. Doch ist dies keine Gier, es ist ein altes Zeichen des Respektes…

Aber etwas mehr als ein Placebo sollte Rumpelstilzchen schon sein!

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