Tripperburg

So langsam geht den DDR-Hetzern wirklich der Geist aus:

Ende der 60er Jahre wurden in der DDR Mädchen und junge Frauen oft mehrmals für Wochen gegen ihren Willen in geschlossenen Krankenanstalten festgehalten. Im Volksmund hießen sie „Tripperburg“ – die geschlossenen Venerologischen Station für Mädchen und Frauen, die es damals in jedem Bezirk gab.

Den Patienten wurde vorgegeben, dass sie unter dem Verdacht einer Geschlechtskrankheit eingewiesen wurden. Für die Historikerin Steffi Brüning steht jedoch fest, dass die Behandlung von Gonorrhoe (Tripper) oder Syphilis zweitrangig war. „Frauen, die abgewichen sind von der sozialistischen Norm, sollten auf den richtigen Weg gebracht werden.“

Über die geschlossenen Krankenanstalten in Mecklenburg-Vorpommern ist wenig bekannt. Wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es nur von Medizinhistorikern aus Halle. Der grüne Bundestagsabgeordnete und Mediziner aus Rostock, Harald Terpe, möchte die wissenschaftliche Aufarbeitung vorantreiben.

Schreibt Nathalie Nad-Abonji in der OZ. im „Prignitzer„, in der NNN, in der SVZ und wer weiß wo sonst noch. DDR-Gruselgeschichten gehen immer. Da braucht man auch keinen Faktenhintergrund. Nur schön schreiben reicht aus. Und schön schreiben kann die Autorin. Kostprobe gefällig:

Es ist Mittagszeit in einem der besseren Restaurants am Hafen von Warnemünde. Günter Fett sitzt im leeren Teil des Raumes alleine an einem gedeckten Tisch. Der Geschäftsführer der Firmengruppe Euroports trägt ein schwarzes Hemd, eine Krawatte und darüber ein passendes Jackett. Das graue Haar ist gut frisiert und umrahmt seine fein geschnittenen Gesichtszüge.
Günter Fetts Erscheinung passt wunderbar in ein solches Restaurant.

Dumm nur, dass das Foto des Interviewten ein weißes Hemd zeigt Aber wer wird sich mit Details aufhalten oder gar mit Fakten? „Tripperburg“ reicht. Merkwürdig nur, dass Rumpel in seiner Jugend nie davon gehört hat. Er nicht und die ihm bekannten Gleichaltrigen auch nicht. Dabei ist er damals ganz schön herumgekommen…

Grusel grusel grusel.

Advertisements

3 Kommentare

  1. Whistleblower

    Diese Nathalie Nad-Abonji ist eine „freiberufliche Journalistin aus Rostock“, erfährt man beim Googeln. Sie arbeitet für Deutschland Radio Kultur, publiziert auch andernorts. Ihre Themen scheinen unverdächtig: Soziales im weiteren Sinn, darunter familäre Probleme, Flüchtlinge, traumatisierte Bundeswehrsoldaten, behinderte Kinder. Aber auch Tibet… und eben die vorstehende Gruselgeschichte. Alles mit ziemlich leichter Hand geschrieben (wenn man das Wort „oberflächlich“ vermeiden will.

    Google & Co. liefern eine Fülle von Links zum Suchbegriff „Nathalie Nad-Abonji“. Dumm nur, dass die meisten von ihnen ins Leere laufen. Da war wohl eine zu fleißig. Eine, die konkrete Hinweise auf sich gut zu vermeiden weiß. Nicht einmal Facebook kennt sie…

    So wie auch konkrete Fakten zum Thema „Tripperburg“. Wenn die Autorin schreibt, „Frauen, die abgewichen sind von der sozialistischen Norm, sollten auf den richtigen Weg gebracht werden“, dann wäre es wohl das Mindeste, dass sie uns berichtet, wie diese abgewichenen Frauen auf den rechten Weg gebracht wurden. Allein die Unterbringung in Doppelstockbetten im großen Schlafsaal kann ja wohl kaum geholfen haben.

    Mein Fazit: Plump und dumm gelogen, also im Mainstream der Medien, aber noch ziemlich ungeübt. Halt so wie sie aussieht: http://www.deutschlandradiokultur.de/media/thumbs/1/164141a3b8a86fe1dd7e5c4586116d4cv1_abs_200x113_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.jpg

    Gefällt mir

  2. ghp

    Der grüne Arzt Dr. Terpe sorgt sich offenbar mehr um die Vergangenheit als um die Gegenwart oder die Zukunft. Für ein Engagement gegen das rostocker Steinkohlekraftwerk (CO2, Quecksilberemissionen) oder gar gegen die rostocker Müllverbrennungsanlage (ganz schlechte Energiebilanz, vor allem aber hohe Gesundheitsgefährung durch extrem giftige Feinstäube) war er bislang nicht zu gewinnen. Obwohl es ein sehr zukunftsweisendes Urteil des Oberverwaltungsgerichtes M-V gibt (mvahro.wordpress.com).
    Naja, nicht umsonst haben die Grünen bei den Landtagswahlen verloren.

    Gefällt mir

  3. F. Heidemann

    Und die Männer? Wurden die in der DDR nicht von Geschlechtskrankheiten befallen? Wichen die nicht „von der sozialistischen Norm“ ab (was immer das gewesen sein mag)?
    Einfach schlecht erfunden, diese Gruselmeldung! Wir Männer fordern Gleichberechtigung! Wir wollen auch in geschlossenen Einrichtungen untergebracht worden sein! Wir fordern auch Entschädigung!!!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s