Das Märchen vom Dickschädel

Es war einmal eine kleine Stadt, die lag an einem großen Fluß. Dem hatten die Bewohner nach und nach seine natürlichen Überschwemmungsgebiete weggenommen und ihn in ein enges Bett gezwängt, wo er nun seine mitgeführten Sedimente ablagerte und dadurch höher und höher wuchs. Höher und höher wuchsen demzufolge auch die den Fluss einzwängenden Deiche., so dass zum Schluss der Wasserspiegel sogar die Kirchturmspitze überragte.

Besonnene Bürger (aber das waren nur wenige) rieten dazu, mit diesem Deichbauirrsinn aufzuhören und dem Fluss seine Überschwemmungsgebiete zurückzugeben. Aber kaum einer hörte auf sie, denn mit den Flächen konnte man gute Geschäfte machen.

In dieser Stadt lebte auch ein Mann, den alle nur den Dickschädel nannten, weil er sehr eigensinnig war. Dennoch genoss er hohes Ansehen, denn er hatte sich einst einer schlechten Sache verweigert, total verweigert. Beim Deichbau allerdings wollte er nur mitmachen, wenn andere fernblieben, die er nicht leiden konnte. Darunter waren auch wirklich schlechte Menschen, aber bei der Deicherhöhung hätten sie ja etwas Nützliches getan. Von einem angestrebten Deichrückbau ganz zu schweigen…

Die meisten Bürger aber lebten in den Tag hinein, hielten den kaum noch zu übersehenden Klimawandel für eine Verschwörungstheorie und verbrannten deshalb weiterhin Erdöl, Erdgas, Kohle.

Es kam, wie es kommen musste. Eines Tage regnete es ohne Unterlass, der Wasserspiegel stieg und stieg. Es war keine Jahrhundertflut mehr, auch keine Jahrtausendflut, es war wie die Sintflut. Nur sofortiges, unermüdliches Erhöhen des Deiches konnte die Stadt und ihre Einwohner noch retten. Da mussten alle zupacken, wirklich alle.

Der Dickschädel und seine Freunde aber lehnten es ab, mitzutun, wenn wirklich alle anderen auch dabei wären – also auch diejenigen, die er gar nicht leiden konnte, unter denen auch einige wirklich dumme, bösen Menschen waren.

Darüber gerieten immer mehr Einwohner in Streit, statt sich gegen die drohende Gefahr zu engagieren. Der Deich brach, schneller als von den meisten erwartet (er hatte doch schon sooo lange gehalten?) und alle, wirklich alle ertranken in den reißenden Fluten. Der Dickschädel ertrank etwas schneller als die meisten, denn neben ihm schwamm einer mit Glatze und Tatoos, also vermeintlich ein dummer, böser Mensch. Nein, neben dem wollte er nicht schwimmen – also ließ er es sein. Er war eben bis zum letzten Atemzug ein Totalverweigerer und darauf sehr stolz.

Wer noch mehr wissen will, obwohl eigentlich schon alles gesagt ist, der schlage hier nach: „und den letzten damm der hoffnung zerbrach…“ (Das Buch, Text hier).

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