Freie Medien in einem freien Land – und was dahinter steckt

Das „neue deutschland“ berichtet heute:

In den USA haben die europäische Aufrufe zum Nachdrucken der »Charlie Hebdo«-Karikaturen eine kontroverse Debatte ausgelöst. Führende Printmedien haben nicht nachgedruckt und den Inhalt der Karikaturen kritisiert. Die »New York Times« teilte mit, sie veröffentliche kein Material, das »bewusst gegen religiöse Sensibilitäten verstoßen will«. Für die »Washington Post« erklärte Chefredakteur Martin Baron, sein Blatt nehme Abstand von Material, das »demonstrativ, absichtlich oder unnötigerweise Mitglieder religiöser Gruppen beleidigt«.

… Gegner der Weiterverbreitung argumentierten, es gebe einen Unterschied zwischen dem Eintreten für Pressefreiheit und dem Verbreiten von Karikaturen. Der Zeichner Jacob Canfield erklärte, viele »Charlie Hebdo«-Karikaturen seien »unglaublich rassistisch« und wollten die »marginalisierte muslimische Einwanderergemeinschaft« provozieren.

Nach Ansicht des Journalisten Glenn Greenwald, der mit seinen Geheimdienstenthüllungen bekannt wurde, spricht gegen das Nachdrucken, dass die Karikaturen »beleidigend und bigott« seien. Eine Zeichnung habe sich über die afrikanischen Sex-Sklavinnen der Terrormiliz Boko Haram lustig gemacht. Wäre ein Rassist oder Antisemit wegen seiner Publikationen ermordet worden, gäbe es keine Aufrufe, »diesen Müll aus Solidarität mit der Redefreiheit zu publizieren«, schrieb Greenwald…

Soviel kluge Besonnenheit hätte man den US-Amerikanern gar nicht zugetraut. Aber das Verhalten der freiesten Presse im freiesten Land der Welt hat offenbar einen anderen Hintergrund, wie wir dank RTDeusch erfahren:

Zbigniew Brzezinski, ehemaliger Sicherheitsberater zahlreicher US-Regierungen seit 1966, mahnte im Interview mit dem US-Sender MSNBC, dass der Islam nicht zum Feind der Amerikaner werden dürfe. Stattdessen plädiert der ausgewiesene Kreml-Feind für eine umfassende Destabilisierungspolitik – wenn nötig mit allen Mitteln – im gesamten eurasischen Raum, um Russland zu schwächen.

Das Attentat auf das linke Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris kommentierend, erklärte der US-Geostratege Zbigniew Brzezinski, die Vereinigten Staaten müssen ihre Beziehungen zur islamischen Welt und den Muslimen unbedingt intakt halten. Anders als das zwanghaft nach Homogenität strebende Europa seien die USA schließlich eine multireligiöse Gesellschaft. Die beleidigenden als auch provozierenden anti-islamischen Karikaturen Charlie Hebdos hält der Politikwissenschaftler aus Kalkül für falsch.

Dabei unterstrich Brzezinski:

„Das Wichtigste, was wir machen müssen, ist es zu verhindern, dass wir der Feind Nummer 1 des Islams werden, also in den Augen der vielen Muslime in der Welt (…). Wir müssen die Meinungsfreiheit verteidigen und müssen es gleichzeitig unterlassen, provokativ und widerwärtig zu sein. Denn einige Arten von Humor, die sich beispielsweise in einigen Publikationen in Europa gegen den Propheten richteten, waren außerordentlich provokativ (…). Es ist nicht nötig, zutiefst beleidigende Sachen als Humor darzustellen.“

Ja, so ist das mit der freien Presse in einem freien Land.

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