„Political correctness?“

In der Zeitung las ich vor einigen Tagen, im westfälischen Hagen hätte die Polizei der Versammlungsleiterin einer pro-palästinensischen Demo einMegafon ausgeliehen, damit diese »ordnende Hinweise« durchgeben und im Bedarfsfall deeskalierend auf die Menge einwirken könne.

Aber, man glaubt es kaum,

„einer der 500 Demonstrationsteilnehmer hatte allerdings das Gerät genutzt, um mit »Kindermörder Israel«-Rufen die Menge aufzupeitschen“.

Ob ihm das Aufpeitschen gelang, wird nicht berichtet. Anderes ist wichtiger:

„Die Parole wird von vielen als antisemitisch empfunden, da sie das Stereotyp jüdischer Ritualmorde an Kindern zu bedienen scheint.“

Wie viele andere das sein mögen, die solch krude Querverbindungen herstellen, wird wiederum nicht berichtet.

Statt dessen musste sich der Innenausschuss des Landtages mit dem „Skandieren von menschenverachtenden Parolen“ (Piraten-Abgeordneter) befassen.

Und Wolfgang Düren, Abteilungsleiter Polizei im NRW-Innenministerium, befand,

»diese Äußerungen waren strafrechtlich relevant«!

Wie wohltuend, dass der Bericht des Innenministeriums den Vorgang letztendlich nicht als »antisemitischen Äußerungen«, sonder als »antiisraelisch« einstufte. Was er zweifellos war und sein sollte. Und was angesichts der Art und Weise, wie der Staat Israel gegen die Bevölkerung von Gaza zu Felde zog, wohl auch seine Berechtigung findet.

Wie schnell man zum „Antisemiten“ und damit mundtot gemacht wird (werden soll), illustriert u.a. Dieter Dehm in seinem Offenen Brief an die Jüdische Allgemeine (http://www.diether-dehm.de/index.php/positionen/913-offener-brief-an-die-juedische-allgemeine). Und er warnt:

„Wo jeder und jedes gleich leicht „antisemitisch“ wird, verharmlost das den eigentlichen Vorwurf… wo jedes bisschen Homophobie oder Sexismus oder Chauvinismus oder Esoterik oder Verschwörungsplattitude mit Faschismus gleichgesetzt wird, ist letzterer allzu bald inflationiert, verniedlicht.“

Könnte das gewollt sein?

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Ein Kommentar

  1. Ein linker Friedensfreund

    „Political correctness“ ist ein schlimmes Ding!

    Elsässer bemerkt hierzu (http://juergenelsaesser.wordpress.com/2009/03/07/brecht-die-diktatur-der-politisch-korrekten/):

    „Um es deutlich zu sagen: Die politisch Korrekten sind mittlerweile die größte Bedrohung für Demokratie und Meinungsfreiheit in diesem Land. Sie sorgen für Zensur, weit effektiver als das selige Ministerium für Staatssicherheit. Der Springerverlag hat seinen Journalisten jede USA- und Israelkritik explizit verboten, fast alle anderen Medien wenden diese Vorschrift als ungeschriebenes Gesetz an. Der Arm dieser Tugendwächter reicht bis in die Redaktionen linker Zeitungen. Alles, was dem internationalen Finanzkapital und seinen Weltkriegsvorbereitungen gefährlich werden kann, wird unter Faschismusverdacht gestellt und zensiert: Israelkritik ist angeblich von Anfang an antisemitisch, mittlerweile ist auch Kritik an den USA antisemitisch, Kritik an der Börsenspekulation ist antisemitisch, der positive Bezug auf Volk und Nationalstaat soll strukturell antisemitisch sein. Eva Hermann ist wie Eva Braun, und Christa Müller ist wie Eva Hermann. Die Sowjetunion und die DDR waren antisemitisch, und selbstverständlich ist es Chavez nicht weniger als Ahmadinedschad. Alles Antisemiten außer Mutti, krakeelt die politisch korrekte Meute. Die political correctness ist die Ideologie der neuen Weltordnung. Klemperer analysierte die Sprache des Dritten Reiches, LTI, Lingua Terii Imperii. Heute muß die Sprache des vierten Reiches analysiert und bekämpft werden, Lingua Quarti Imperii, die Sprache des angloamerikanischen Imperiums. Wer sich nicht daran hält, wird heute zensiert und verliert seinen Job, und bei Zuspitzung der Krise des Imperiums wird er eingesperrt werden. Die Bewegung der politisch Korrekten, die den Antifaschismus großsprecherisch plakatiert, lügnerisch plakatiert, frech mißbraucht – sie hat ihrerseits das Potential zu einem neuen Faschismus.

    Marxseidank gibt es eine Gegenströmung. Im Internet gibt es Hunderte, Tausende Blogs, die sich der politischen Korrektheit nicht unterordnen und offen dagegen opponieren. Nur ein Bruchteil davon ist rechtsradikal. Die übergroße Mehrheit wird gemacht von ganz normalen Bürgern. Schon bald werden die blogs ergänzt werden durch Internet-Fernsehkanäle. Das sind die progressiven Medien der Zukunft – und nicht die linken, die selbst die Sklavenideologie und Sklavensprache weiterverbreiten.“

    Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

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