Frauenkampftag 8. März

In einer Regionalzeitung lese ich, dass in der Hansestadt Rostock am Vortag des 8. März eine (1.) Bürgerschaftssitzung stattfindet, die ausschließlich von Frauen getragen wird. Es gibt 33 (Frauen-) Anträge.

Einer der Anträge hat die Einführung eines Gender Budgetings zum Inhalt, eingebracht von Fau Cathleen Kiefert-Demuth (SPD), Geschäftsführerin des Frauenbildungsnetzwerkes MV. „Wir müssen den Haushalt der Hansestadt darauf prüfen, welche Gelder wo hingehen… Anschließend schichten wir sie so um, dass sie gerecht verteilt sind“. Denn „Clubs, die sich vorrangig klassischen Männersportarten widmen, erhalten viel mehr Geld als Frauenvereine… Auch hier müssen wir zusehen, dass Gelder zwischen den Geschlechtern gleich aufgeteilt sind“.

Wie ist das mit dem Aufteilen, wenn Frauen sich „klassischen Männersportarten widmen“, z.B. Fußball? Wird dann die kommunale Fußballförderung auch für Frauen gekürzt oder gibt es schon komplizierte Formeln, um die Frauen auch beim Fußball oder/und Boxen auf keinen Fall zu benachteiligen?

Dürfen Männer wenigstens als Zuhörer an dieser denkwürdigen Sitzung teilnehmen oder sind sie generell ausgeschlossen? Besser ist gänzlich ausschließen, denn mit manchen Geistesblitzen von Frauen kommen sie einfach nicht klar.

Beispielsweise hat sich zum diesjährigen Jahrestag der Zerstörung Dresdens eine junge Frau mit entblößtem Oberkröper und der dort angebrachten Aufschrift „Thanks Bomber Harris“ präsentiert (siehe z.B. http://www.taz.de/Dresdener-Bombergate/!133432/). Ein solch kluges Verhalten ist einer Kandidatin für das Europaparlament offenbar würdig.
Ihre Mitdemonstantin hatte wenige Tage zuvor einen Molotowcocktail gegen die russische Botschaft in Berlin geworfen (http://russische-botschaft.de/uploads/pics/3-A-topless-Femen-activist-throws-a-Moloto_01.jpg). Sie kandidiert in Berlin für den Landesvorsitz der Piraten.

Anne Helm, die Piratin mit dem Dank an Bomber Harris, begründet ihre Aktion wie folgt: Dresdem „war als Produktionsstandort und Umschlagplatz für die näherrückende Front alles andere als ein nicht-militärisches Ziel. Den Berichten von Zeitzeugen wie etwa Victor Klemperer folgend, stand ein Großteil der Bevölkerung noch hinter dem Naziregime. Klemperer, dessen Deportation aufgrund seiner jüdischen Herkunft kurz bevorstand konnte letztendlich durch das Bombardement fliehen.“ Es sei „selbstverständlich zu betrauern, dass den Luftangriffe auch Unschuldige zum Opfer fielen. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass dieser Krieg von Deutschland ausging und dass die ersten Städte, die durch Bombenangriffe zerstört wurden, der Luftwaffe zum Opfer fielen.“

Ist das nicht zu einfach gedacht? Im bombardierten Zentrum von Dresden befanden sich keine Rüstungsbetriebe, sondern Kunst, Kultur und Wohnungen. Die peripher gelegenen Rüstungsbetriebe hingegen wurden nicht bombardiert. Die Flucht von Victor Klemperer als Argument für die Tötung so vieler Menschen als Argument anzuführen, halte ich für pervers. Und dass Deutschland als erster den Luftkrieg begann, ist unstrittig, aber „Aug‘ um Auge…“ sollte hier nicht gelten dürfen, außer wir meinen, im Handeln der Anglo-Amerikaner und der Nazis gab es keinen wesentlichen Unterschied.

Viel besser als die Helm’sche Argumentation gefällt mir diejenige eines Leserbriefschreibers, die er mir zur Verfügung stellte, weil das „neue deutschland“ seinen Text wegzensierte: „Der Dank von Frau Helm und ihrer Mitstreiterin an Bomber-Harris für die Zerstörung Dresdens greift zu kurz. Da wäre der Dank für die vielen anderen zerbombten Metropolen Deutschlands. Vor allem aber der Dank dafür, dass die Verkehrsinfrastruktur (Schienen, Straßen, Brücken) und auch die Werke zur Herstellung synthetischer Treibstoffe verschont blieben. So konnte der Krieg insbesondere an der Ostfront munter weitergehen („Räder müssen rollen für den Sieg“, NS-Losung vor allem an den Lokomotiven). Verschont blieben auch die meisten Rüstungsbetriebe.

Wie viel Soldaten (auf beiden Seiten!) durch diese einseitige Festlegung der Zielgebiete ganz unnötig sterben mussten, bleibt im Bereich der Spekulation. Wie viel Zivilisten starben, lässt sich aufaddieren. Aber Massenmord war es natürlich nicht.
Wenn die Nazis ein Thema aufgreifen, weil die anderen gesellschaftlichen Kräfte zu feige sind, es konsequent und umfassend zu behandeln, sind doch nicht in erster Linie die Nazis schuld! Warum lassen wir ihnen so viel Raum?

In letzter Zeit fallen (mir) immer häufiger junge Frauen auf, die emanzipiert und selbstbewusst agieren. Leider oft ohne ausreichendes Wissen, selbst simples Nachdenken kommt selten vor. Auch wenn es uns gestandene Politiker immer öfter vorleben: Weder in die Gemeindevertretung noch ins Europaparlament gehören Unkluge!

Einer, der Bomber-Harris nur um Ziegelsbreite von der Schippe gesprungen ist.“

Von Frauenpower nach Art der mehrfachen Literaturpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff reden wir besser nicht. Es ist auch schon genug gesagt und geschrieben worden, siehe u.a. http://www.taz.de/Klerikalfaschistische-Dresdener-Rede/!134389/

Wer jetzt meint, ich hätte was gegen Frauen, der irrt mächtig gewaltig. Ich habe was gegen Frauen (und Männer gleichermaßen), die glauben, Selbstbewusstein und (Frauen-) Furor reiche aus, Wissen und Nachdenken hingegen seien überflüssig oder gar hinderlich. Es sind gar nicht so viele, aber sie fallen sehr auf. Die anderen sind in der Mehrzahl, aber sie fallen viel weniger auf, diese wunderbaren Kameradinnen im Alltag und in allen anderen Situationen. Sie sind ebenfalls selbstbewusst, aber darüber hinaus eben auch klug, nachdenklich, empfindsam, feinfühlig, fair – es ist eine Freude, mit ihnen auf der Welt zu sein. Diesen Frauen gebührt jeden Tag dank, aber am Frauentag, der in bestimmten Situationen auch ein (gemeinsamer!) Frauenkampftag sein kann, ganz besonders.
Danke, dass es Euch gibt!

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5 Kommentare

  1. Rumpelstilzchen

    In einer Regionalzeitung fand ich folgenden Leserbrief, der sich auf die grandiose Aktion der Anne Heims („Bomber-Harris“) bezieht:

    Geldstrafen für Verunglimpfung – Wie passt das zusammen?
    Mathias Schröder aus Rostock
    18.03.2014 11:59 Uhr

    Rostock. Der Eine verunglimpft ein Ehepaar und wird mit 6000 Euro Geldstrafe belegt. Die Andere verhöhnt und beschimpft zehntausende Opfer des Bombenkrieges von Dresden und wird lediglich mit einem verhaltenen Kopfschütteln bedacht. Beide stehen ideologisch und moralisch auf gleichem Niveau. Wie passt das eigentlich zusammen?

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  2. Homo ökonomicus

    Das Niveau sinkt stetig und das ist gut so – denken offenbar die meisten Politiker. Ich lese gerade in der Zeitung: „Die Hamburger Schulbehörde will die Hausaufgaben für G8-Gymnaiasten einschränken. Künftig soll es in den Hauptfächern jeweils nur eine Hausaufgabe pro Woche geben, für die Nebenfächer nur alle zwei Wochen.“
    Gleichzeitig sinken die Unterrichtszeiten: Klasse 5 max. 30 Wochenstunden, Klasse 6 max. 31 und ab Klasse 7 max. 34 Wochenstunden.
    Prima, weniger Hausaufgaben werden mit weniger Unterrichtsstunden kompensiert. Freiheit statt Bildung!

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  3. Ina Weber

    In der bewussten Zeitung wurde am 13.3. folgender Leserbrief veröffentlicht:

    “ Viele Frauen haben ganz andere Probleme
    Zu »›Es gibt so viel Quatsch‹«, 8./9.3., S. 18/19

    Über die so schön gestalteten ersten drei Seiten der nd-Wochenendbeilage hatte ich mich zuerst gefreut. Beim Lesen wurde ich erst zunehmend traurig und dann ärgerlich: darüber, dass in dem Gespräch die Frauen keine Rolle spielen, die vor allem arbeiten, um Geld zu verdienen, und die, sofern der Arbeitsvertrag ihnen Sicherheit gibt, für Kinder gern eine Auszeit aus dem oft eintönig stressigen Arbeitsleben nehmen.
    Die diskutierenden Frauen regten sich da lieber über den Väterpreis auf. Aber immerhin gab es jemanden, der die Überschrift zu dem Gespräch setzte: »Es gibt so viel Quatsch!«.
    Lore Reimann, Berlin“.

    Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

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  4. Heiko Heimlich

    Eine der beiden Redakteurinnen, Sarah Liebigt, schrieb am 11.3. in einem Artikel über das Partyleben in Berlin u.a.: „… Berghain, diesem Club, der immer noch in jedem Stadtführer als Pflichtveranstaltung … aufgeführt wird. Für alle, die das wilde, das laut hämmerende, drogenlastige, in Darkrooms vögelnde Berlin erleben wollen … Eine junge Frau aus New York [beschwert sich] darüber, dass sie im Berghain nur zwei Männer beim Rummachen beobachten konnte“. Ist das für junge Frauen ein so wichtiges Thema, dass es in einer überregionalen „Sozialistischen Tageszeitung“ behandelt werden muss? Feministinnen werden mir immer suspekter.

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  5. Kain Frosch

    Es gibt so viel Quatsch!

    Wer wissen will, wie Frauen sind, die schwerer auszuhalten sind, weil sie um „Karriere“, „Selbstverwirklichung“, „Feminismus“, „Diskriminierung“ usw. kreisen, der lese den gleichnamigen Artikel: http://www.neues-deutschland.de/artikel/926238.es-gibt-so-viel-quatsch.html.

    Es sind zwei Zeitungsredakteurinnen, von denen man also Niveau erwarten darf, die das Gespräch moderierten. Heraus kamen Sätze wie diese:
    „Ein Preis fürs Naseputzuen ist nicht nur eine Katastrophe für Frauen“.
    „Das ist doch auch wieder eine interessante Perfidie. Essen machen ist seit tausenden Jahren Frauensache, aber im öffentlichen Raum eine absolute Männderdomäne“.
    „Männer kriegen nicht beigebracht. wie man bügelt. Aber wenn du den Reifen nicht wechseln kannst, dann kommt Gemecker: ‚Ist doch kein Männerding!'“

    Da liegt eines der Probleme: Wenn Männer nicht beigebracht bekommen haben, wie man bügelt, sie es aber können müssen, dann bringen sie es sich eben selbst bei. Geht doch.

    Als ich den Zeitungsartikel meiner Frau zum Lesen gab, waren ihre Bemerkungen so herb, dass ich auf die Wiedergabe verzichte.

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